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The Creolization of Food in New Orleans

URN zum Zitieren der Version auf EPub Bayreuth: urn:nbn:de:bvb:703-opus-4381

Titelangaben

Block, Petra:
The Creolization of Food in New Orleans.
Bayreuth , 2007
( Dissertation, 2008 , Universität Bayreuth, Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät)

Volltext

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Version: Veröffentlichte Version
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Abstract

Einer der zentralen Begriffe der Arbeit ist Kultur. Kultur wird hier nicht als etwas Abgegrenztes oder Statisches verstanden, sondern als kreativer Prozess. Kultur besteht aus zwei Polen: einem statischen und einem dynamischen. Auf der statischen Seite wird Kultur verstanden als „Zivilisation“, die von Normen bestimmt wird. Die dynamische Seite beinhaltet den politischen Gehalt und hier dominiert die Kreativität. Beide Betrachtungsweisen verdeutlichen das Spannungsfeld zwischen der Alten Welt mit dem Verständnis von Kultur als Zivilisation und der Neuen Welt, mit der Abwesenheit einer „High Culture“, einer größeren Verfügbarkeit von Natur und dem Gedankengut des Republikanismus. Neben Kultur ist der wichtigste Kernbegriff Kreolisierung mit zwei Verständnisweisen: Einerseits steht Kreolisierung für einen permanenten, symbiotischen Prozess, getragen durch Vielzahl und Konflikt. Andererseits für, speziell auf NO bezogen, ein kulturelles Kapital der frankophonen Kreolen. In der Frühkolonialen Periode entstand durch Kreolisierung eine indigene eigene Kultur im südlichen Louisiana. Hierfür waren bestimmte Rahmenbedingungen ausschlaggebend: NO war nur von Randbedeutung für die Europäischen Mächte und wurde entsprechend vernachlässigt. Daraus folgte eine unzureichende Besiedlung und Versorgung durch das jeweilige Mutterland. Es wurde nur wenig Druck ausgeübt, die Normen der jeweiligen Kolonialmacht anzunehmen. So entstand eine eigene Kreolische Kultur als verbindendes Element. Dazu kam die besondere geographische Lage. Ein großes Nahrungsangebot war zwar existent, doch weitgehend unzugänglich für Europäer. Ein enger Kontakt zu den ansässigen Indianern wurde zur Vorraussetzung fürs Überleben. Es entstand eine Early Market Economy. Input erhielt dieser Handel dadurch, dass die Plantagenwirtschaft in Louisiana kaum Gewinne abwarf. Sklaven wurden dadurch große Freiheiten bzgl. der Selbstversorgung eingeräumt. Der relativ friedliche Umgang der verschiedenen Ethnien miteinander wurde zudem sanktioniert von der multikulturellen Toleranz eines Colbertianischen Merkantilismus. Auch die spezifischen demographischen Verhältnisse trugen das ihre dazu bei. Die Weißen waren in der Minderheit. Auf der einen Seite gab es eine sehr kleine fragmentierte weiße Gesellschaft ohne nennenswerte Familienstrukturen und auf der anderen Seite eine große relativ intakte selbstbewusste farbige Gesellschaft. Die neu entstehende Esskultur stabilisierte sich daher in den farbigen Gruppen. All diese Vorraussetzungen führten zum Entstehen einer eigenen indigenen kreolischen Kultur in NO. Das kreolische Grundkapital festigte sich bis zum Bürgerkrieg, zum einen durch demographische Auffrischung von den Haitianischen Flüchtlingen. Zum anderen als Widerstandsbewegung gegen eine zunehmende multiethnische Einwanderung angeführt von Angloamerikanern. Kreolen fühlten sich bedroht und errichteten Grenzen und Normen fürs Kreolisch sein. Kreolisierung ist aber nichts Statisches. Der Wandel zur multiethnischen Gesellschaft durch stetige Einwanderung zeigte dies. Vor allem in den 1890ern, als vermehrt Italiener nach NO kamen, die den Kreolisierungsprozess aktiv fortsetzten. Anpassungsprozesse führten zu Spannungen und immer wieder zu neuen Fusionen, die entstehen konnten auf Grund einer hohen Toleranz für Andere und der Bereitschaft eigene Traditionen zu modellieren. Speziell der Bereich Esskultur zeigt die komplexen Strukturen von interkulturellen Anpassungsprozessen. Grundsätzlich bildet Essen die Grundlage der materiellen Kultur einer jeden Gesellschaft. Das Besondere ist aber, dass Essen weitgreifende Funktionen darüber hinaus hat. Das alles Entscheidende hierbei ist die Tatsache, dass wir uns Essen einverleiben – die äußere Welt wird zur Inneren und dadurch wird eine philosophische/religiöse Dimension deutlich und der wichtigste Unterschied zur restlichen materiellen Kultur. Essen ist damit nicht nur Kulturgut, sondern schafft von Innen heraus auch Kulturpraktiken. Darüber hinaus steht Essen aber auch in dem Spannungsfeld zwischen Lust/Genuss und Askese/Vernunft. Essstörungen zeigen die Auswüchse der Gesellschaft – dass Essen uns in dieser Dialektik hält zwischen Lust und Vernunft. Im Hinblick auf NO zeigte sich dieser Gegensatz zwischen dem Überfluss im südl. Louisiana und dem Mangel in der Alten Welt, oder den republikanischen Vorstellungen von Enthaltsamkeit im Norden im Gegensatz zur katholischen oder besser mediterranen Sinnlichkeit in NO. Überfluss und Reichtum sind notwendig um Cuisines entstehen zu lassen. Zusätzlich Bedarf es starker familiärer und regionaler Esstraditionen, die zu einem ethnischen Identitäts-Bewusstsein beitragen. In einem steten Optimierungsprozess, angetrieben durch Neugierde und Lust, entstehen dadurch Cuisines. In Europa kam hier dem Adel und der Bourgeoisie eine wichtige Rolle zu, in NO waren es die frankophonen Creolen.

Abstract in weiterer Sprache

The definitions of what food is, vary from culture to culture and sometimes even from individual to individual, and are therefore quite arbitrary. Their capricious nature does nothing, however, to diminish their strength or effectiveness. As food, along with air and water, is the most basic of all needs, anything dealing with food is by definition and association quite powerful in itself. People are bound to the rules their culture gives them. We tend to limit ourselves by adhering to fixed and static cultural rules, although we do have the ability to pry open the bars of our self-made cage. To facilitate this process, we need to be prepared to cross the borders of our own culture to explore others. Getting to know other cultures can help us overcome the restrictions created by our own culture. This holds true for “civilized” as well as “primitive” societies. The close examination of social interaction in the lower Mississippi Valley in colonial times proved that cultural boundaries can be successfully crossed. The development of a regional food tradition in and around New Orleans showed for one thing people’s resistance to let go of something familiar and for another their ability to incorporate something new into their existing traditions. The pressure of need, more than free will, gave rise to change and opened up the opportunity for something new to evolve. In order to understand the cultural configuration that developed in that specific region, the continuing nature of the contact situation had to be examined. It showed that populations of different proportions, living by different social codes and with significantly different historical backgrounds were involved. The early colonial history of the lower Mississippi Valley provided a field of open social interaction. The establishment of European communities created a situation of cultural contact. Wherever people of different cultural background interacted, a new piece of culture evolved for the subordinate groups involved and at the same time its members were forsaking parts of their native culture. Indians, Europeans and Africans were involved in an early food exchange. Even before the War of Independence in and around New Orleans, the different segments of society played an important role in producing, trading and preparing food. This cultural interaction resulted in what is explained here as creolization process – a dialogic encounter of cultures that does not result in merging or mixing but primarily in the effort to retain one’s own unity by opening towards the other. This way both sides are mutually enriched. There was growth of different creole identities. African creole cultures were created by importing slaves from West Africa. The French, on the other hand, tended to see themselves as Europeans in temporary exile. Early on this colonial society, however, whether willingly or because it was forced to, realized that the adaptation of the other’s cultural food traditions was useful and in this way a new regional food tradition evolved. The various ethnicities that shaped the multicultural society of New Orleans did not all enjoy the same rights and respects. There were significant differences in respect and recognition of the cultural other particularly with respect to social standing and religious practices and beliefs. The conflicts creoles had to face, both initially and again later when incoming Americans challenged their social position, showed the impact social status and religious beliefs have in a cultural contact situation. Strong refusals occurred to becoming acculturated to the ‘other’ way. This was also shown in the duality of blacks wishing to participate in the creole way, but yet wishing to preserve something of a separate creole identity. Creolization is a process that works in two ways: for all immigrants, traditional foods and ways of eating formed a link with the past and helped ease the shock of entering a new culture; thus many insisted on holding on to their traditions despite pressures to change. Family traditions were highly valued by most newcomers and with them cooking traditions. Immigrants grew otherwise unavailable vegetables and herbs in their backyards, they opened market stalls and, later, stores so that ingredients were available. In addition, they opened restaurants so that it became more convenient to get certain foods. They added their own cooking tradition and at the same time started mixing it with others. Immigrants managed to adapt their food to the new cultural environment and, at the same time, kept up their special distinctiveness. This clearly shows that the process of creolization is not a spontaneous random act deprived of any individual achievements. Individuals were not determined by the process of creolization, but to the contrary, they determined the process.

Weitere Angaben

Publikationsform: Dissertation (Ohne Angabe)
Keywords: Kreolisierung; New Orleans <La.>; Ess- und Trinksitte; Kulturwandel; Restaurant Bayou - Creole Cajun Cuisine; Creolization; Food; Culture
Themengebiete aus DDC: 800 Literatur > 800 Literatur, Rhetorik, Literaturwissenschaft
Institutionen der Universität: Fakultäten > Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
Fakultäten
Sprache: Deutsch
Titel an der UBT entstanden: Ja
URN: urn:nbn:de:bvb:703-opus-4381
Eingestellt am: 25 Apr 2014 11:20
Letzte Änderung: 25 Apr 2014 11:21
URI: https://epub.uni-bayreuth.de/id/eprint/644

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