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Umsetzung verschiedener didaktischer Theorien im außerschulischen Unterricht: Potentiale und Grenzen des wiederentdeckten Lernorts Bauernhof

URN zum Zitieren dieses Dokuments: urn:nbn:de:bvb:703-opus4-10400

Titelangaben

Fröhlich, Gabriele:
Umsetzung verschiedener didaktischer Theorien im außerschulischen Unterricht: Potentiale und Grenzen des wiederentdeckten Lernorts Bauernhof.
Bayreuth , 2012 . - 154 S. S.
( Dissertation, 2012 , Universität Bayreuth, Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften)

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Abstract

Die Entfremdung von Lebensmittelproduktion und landwirtschaftlicher Praxis sowie das Unwissen über enge Verflechtungen zwischen Umwelt und Landwirtschaft der heranwachsenden Generation (Ernst & Theimer, 2011; Hubert, Frank, & Igo, 2000; Tal, 2008) sind ein allgemeines gesellschaftliches Problem, dem man mit Bildung begegnen kann und sollte (Harms, King, & Francis, 2009). Um diese Themen, im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, zu vermitteln und so innerhalb der Gesellschaft zu festigen, scheint sich am besten situationsbezogenes und kontext-orientiertes Lernen am außerschulischen Lernort Bauernhof zu eignen (Knobloch, Ball, & Allen, 2007). Kontext-orientiertes Lernen ermöglicht den Schülerinnen und Schülern das in der Schule Gelernte auf den Alltag zu übertragen und so effektiver zu lernen (Bennett, Lubben, & Hogarth, 2007). Das in dieser Studie entwickelte agrarische Umweltbildungsprojekt unterscheidet sich bewusst von bestehenden, zum Teil mehrtägigen und erlebnisorientierten Projekten, indem es Schulpraxisrelevanz für sich beansprucht: Es wird auf Ansprüche und Anforderungen des Lehrplans (fachliche Inhalte, Kompetenzvermittlung, kurze Projektdauer), der Lehrer (einfache Organisation und Durchführbarkeit) und der Schüler (schülerzentrierte und kooperative Lernmethode) Rücksicht genommen und diese bestmöglich umgesetzt. Die Zielsetzungen der Promotionsstudie waren zum einen genauere Untersuchungen zur Naturverbundenheit von Kindern (Teilarbeit A), die Erziehung zu umweltfreundlicherem Konsumverhalten (Teilarbeit B) und eine kognitive Wissensvermittlung durch das entwickelte Projekt (Teilarbeit C). Darüber hinaus wurden noch Schülervorstellungen zur landwirtschaftlichen Praxis am Anfang und Ende der Sekundarstufe I erhoben (Teilarbeit D), um die Wahrnehmung von Landwirtschaft bei Kindern und Jugendlichen in einer modernen Industriegesellschaft besser beurteilen zu können. Das Wissen dieser Vorstellungen ist als Basis zur Erarbeitung effizienter Bildungsmaßnahmen in diesem Bereich erforderlich. Teilarbeit A zeigt sowohl einen negativen Zusammenhang zwischen dem Alter (untersucht wurde der Zeitraum vor dem Einsetzen der Pubertät (9 – 13 Jahre)) als auch einen positiven Zusammenhang zwischen den kognitiven Fähigkeiten (Indikatorvariable: Schulform) und dem Grad der Naturverbundenheit. Frühere Studien (Davis, 2011; Schultz, 2002) zeigten einen engen Zusammenhang zwischen Naturverbundenheit und umweltfreundlichem Verhalten. Dennoch hat sich in Teilarbeit B herausgestellt, dass Naturverbundenheit bei den Bildungsprojekt-Teilnehmern (Durchschnittsalter: 11,5 Jahre) keinen wichtigen Beitrag zur Intention für umweltfreundlicheres Konsumverhalten leistete, ebenso wenig wie das neu hinzugewonnene Wissen. Signifikant hingegen waren die Korrelationen mit situationsbedingten Lernemotionen, die direkt im Anschluss an die Unterrichtseinheit gemessen wurden. Jedoch war das Konsumverhalten nach sieben Wochen wieder auf dem vor der Intervention gemessenem Ausgangsniveau. Wissensvermittlung, die Hauptintention der meisten Bildungsprojekte, erwies sich in Teilstudie C für die teilnehmenden Schüler insgesamt, unabhängig vom Lernort (Klassenzimmer vs. Bauernhof), als erfolgreich. Schlüsselt man die einzelnen Wissensbereiche weiter auf, so ergab sich ein signifikanter mittelfristiger Lernzuwachs bei Mädchen zum Thema Ernährung, und ein signifikanter kurz- und mittelfristiger Lernzuwachs für das Themengebiet Landwirtschaft bei beiden Geschlechtern. Schließlich wurde in Teilstudie D Schülervorstellungen zu den Aufgaben eines Landwirts erhoben. Hierzu wurden Schüler am Anfang der Sekundarstufe I (5./6. Jahrgangsstufe) und am Ende (10. Jahrgangsstufe) befragt. Bei der induktiven Kategorienbildung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2007) ergaben sich kaum Unterschiede zwischen den Altersgruppen, jedoch lag der Schwerpunkt der Arbeitsaufgaben für die jüngeren Schüler bei den Tieren und für die Älteren bei den Pflanzen. Lediglich ein geringer Anteil der Zehntklässler nannte ökologische Aufgabenbereiche, bei den Jüngeren fehlt dieser Aspekt völlig. Generell zeigten sich sehr stereotype und einfache Vorstellungen bei den teilnehmenden Schülern. Kurze, schülerzentrierte Bildungsmaßnahmen im Bereich der Landwirtschaft und Ernährung können kurz- und mittelfristig Wissen vermitteln, Anregungen für umweltfreundlichere Verhaltensweisen schaffen und positive Lernemotionen stärken, die sich jedoch stark auf das Antwortverhalten der Schüler auswirken können. Zusammenfassend kann man sagen, dass das entwickelte Bildungsprojekt gut geeignet ist, Grundlagen der agrarischen Umweltbildung schülergerecht zu vermitteln. Die Inhalte des Projekts sollten wiederholt in der Schullaufbahn aufgegriffen und altersgerecht vertieft werden, um den Schülern agricultural literacy(Frick et al., 1991) und damit ein realeres Bild über die moderne landwirtschaftliche Praxis zu vermitteln.

Abstract in weiterer Sprache

The alienation of the younger generation from food production and agricultural practices as well as the lack of knowledge concerning the close link between agriculture and the environment (Ernst & Theimer, 2011; Hubert, Frank, & Igo, 2000; Tal, 2008) is a general societal problem, which can and should be countered with education (Harms, King, & Francis, 2009). To impart these topics in the framework of sustainability education and to more firmly establish these topics in society, context-oriented and situated out-of-school learning at a farm seems to be a suitable means (Knobloch, Ball, & Allen, 2007). Context-oriented learning enables students to transfer the knowledge learned in school to their everyday lives, making the learning process more efficient (Bennett, Lubben, & Hogarth, 2007). In this study, we intentionally designed our agricultural and environmental education project to differ from already offered projects, which typically last several days and focus on edutainment, by ensuring our project addresses relevant school requirements such as curricular guidelines (content, life skill development, and short duration), teachers’ requirements (simple coordination and implementation), and finally, students’ requirements (student-centered, cooperative learning method). The aims of this study were to provide more detailed research on children’s connectedness with nature (Part A), to elicit more environmentally friendly consumer behavior through education (Part B), and to demonstrate that the implemented project efficiently transfers cognitive knowledge (Part C). Furthermore, to better evaluate the agricultural awareness of children and adolescents in a modern industrialized society, we gathered detailed information from students of different ages about their alternative conceptions regarding agriculture (Part D). This approach is essential for developing efficient educational projects in this field. In Part A, we show a negative correlation between age and connectedness with nature (prepubescent participants, 11 to 13 years of age) and also a positive correlation between cognitive abilities (indicator variable: academic level) and connectedness with nature. Educational studies (Davis, 2011; Schultz, 2002) have already shown a link between connectedness with nature and environmentally friendly consumer behavior. In Part B, however neither the participants’ connectedness with nature nor their newly gained knowledge contributed significantly to their intention of consuming in a more environmentally friendly way (mean age of participants: 11.5). In contrast, the correlations with the situational learning emotions, which were evaluated directly after the intervention, were found to be significant. Nevertheless, after seven weeks, the consumer behavior returned the level measured before the intervention. The transfer of content knowledge, which is seen as the focus of most educational projects, was successful for all students participating in Part C independent of the learning setting (classroom vs. farm). Splitting the knowledge up thematically, we found a significant increase in the girls’ knowledge about food in the midterm. Both genders achieved a significant increase agricultural knowledge in the short term as well as the midterm. Finally, in Part D, we ascertained students’ conceptions about a farmer’s duties; we questioned 5th and 6th graders as well as 10th graders. According to the qualitative content analysis of Mayring (2007), there were hardly any differences between the subsamples with respect to the inductive categories. However, the younger students focused on animal related categories, and the older ones focused on plant-related categories. Only a small number of the 10th graders mentioned ecological aspects, whereas these aspects were totally absent in the younger students’ group. In general, the participating students’ answers were very simple and stereotypic. Short, student-centered educational projects about agriculture and food are appropriate for instilling knowledge in the short term and midterm, for encouraging more environmentally friendly behavior, and for strengthening positive learning emotions. These learning emotions must be considered when evaluating posttests as these emotions seem to heavily influence the rating. To sum up, the educational project developed in our study is well-suited to teach the basics of agricultural and environmental education (the connections between food, agriculture, and the environment)in a student-appropriate way. During a student’s school career, the contents of the project should be periodically repeated and presented with increasing detail according to the student’s age and cognitive abilities in order to teach agricultural literacy (Frick, Kahler, & Miller, 1991) and to provide the student with a more realistic impression of modern agriculture.

Weitere Angaben

Publikationsform: Dissertation (Ohne Angabe)
Keywords: Didaktik; schülerorientierter Unterricht; handlungsorientierter Unterricht; Exkursion; Umwelterziehung ; Agrarische Umweltbildung; Lernemotionen; Schülervorstellungen; Naturverbundenheit
Themengebiete aus DDC: 500 Naturwissenschaften und Mathematik
Institutionen der Universität: Fakultäten > Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften > Fachgruppe Biologie
Fakultäten
Fakultäten > Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften
Sprache: Deutsch
Titel an der UBT entstanden: Ja
URN: urn:nbn:de:bvb:703-opus4-10400
Eingestellt am: 25 Apr 2014 06:11
Letzte Änderung: 22 Mai 2014 08:09
URI: https://epub.uni-bayreuth.de/id/eprint/189